Gelten Aktien als Kreditsicherheiten?
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es für Unternehmen wie für Privatpersonen nicht einfach, einen Kredit von der Bank zu bekommen. Oft werden hohe Zinsen berechnet und ausgedehnte Sicherheiten für einen Kredit verlangt. "Nur wer nachweisen kann, dass er keinen Kredit braucht, bekommt einen
Kredit", ist ein geflügeltes Sprichwort, das diese Problematik treffend umschreibt. Wer also einen Kredit beantragt, muss sich schon vor dem Gespräch mit dem Berater Gedanken machen, welche Sicherheiten er dem Institut anbieten will. Das kann entscheidend für eine Zu- oder Absage sein, denn die Kreditsicherheit soll im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers dafür sorgen, dass die Bank trotzdem ihr Geld bekommt, indem sie die Sicherheiten liquidiert.
Neben Immobilien, Sparguthaben, Bürgschaften oder Verpfändungen kommen auch Aktien als Sicherheit für einen Kredit in Frage. Doch Vorsicht: Hier lauern Fallen. Wer sein Aktiendepot als Kreditsicherheit hinterlegen möchte, muss vorab mit der Bank klären, ob und wie Aktienverkäufe aus diesem Depot getätigt werden dürfen. Hier kann ein beträchtliches Risiko bestehen. In der Regel muss der Schuldner das Aktiendepot an die Bank abtreten, die es mit einem Sperrvermerk versehen wird, sodass keine Verkäufe von Aktien oder Fondsanteilen mehr möglich sind. Würde der Kreditnehmer seine Aktien verkaufen, dann stünde das Depot als Sicherheit nicht mehr zur Verfügung. Gerade bei fallenden Kursen, wenn ein schnelles Abstoßen von Papieren sinnvoll wäre, sind dem Anleger die Hände gebunden. Hier gilt es, sich vorher mit der Bank ins Benehmen zu setzen.
Akzeptiert die Bank das Aktiendepot als Sicherheit für einen Kredit, kann die nächste Überraschung auf den Kreditnehmer warten. Aktiendepots werden nur mit einem Teil ihres Wertes als Sicherheit akzeptiert. Die Bank versucht damit, eventuellen Kursverlusten vorzubeugen und die gesamte Kreditsumme auch im Falle eines Wertverlustes des Depots zu sichern. Der Wertabschlag kann von Depot zu Depot variieren und ist letzten Endes auch Verhandlungssache. Erfahrungsgemäß akzeptiert die Bank ein Depot, das größtenteils mit DAX-Werten oder mit stabilen Fonds bestückt ist, zu 50 bis 60 Prozent. Bei riskanteren Aktien sind die Abschläge weit größer. Wer zum Beispiel nur DAX-Papiere mit einem Wert von 100.000 Euro in seinem Depot hat, kann einen Kredit bis maximal 60.000 Euro damit absichern.
Sichert ein Kreditnehmer sein Depot ausschließlich mit Aktien oder Fonds ab, geht er noch ein weiteres Risiko ein: Die Bank wird im Falle größerer Kursverluste den Kredit fristlos kündigen oder neue Sicherheiten verlangen. Um dieses Risiko zu dämpfen, empfiehlt es sich, der Bank verschiedene Sicherheiten anzubieten.